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Wallfahrtskirche Mariae Heimsuchung Unterhausen Aussenansicht
Kirchenchronik · Pfarrei Mariae Heimsuchung Unterhausen

Wallfahrtskirche Mariae Heimsuchung Unterhausen

Päpstliche Wallfahrtskirche seit 1487 · Hochaltar von Johann Degler (1621) · Rokoko-Fresken Johann Baaders von 1773
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Dekan Franz Sales Gailler aus Raisting wähnte in seiner berühmten Schrift „Vindelicia Sacra“, dass die Kirche von Unterhausen eine mehr als magische Kraft ausübe, die Seelen ringsumher anzuziehen. Acht Pfarrgemeinden kamen regelmäßig zu Wallfahrten hierher.

PatroziniumMariae Heimsuchung (2. Juli)
Erbautnach 1487, Innen 1772/73 erneuert
BullePapst Innocenz VIII., 8. Jan. 1487
StilSpätgotik / Rokoko
DiözeseAugsburg
AdresseUnterhausen, 82362 Weilheim

Die Geschichte in Stichworten

Die Comites Sigemarie de Hausen, Gaugrafen des Housigaues, hatten 1065 ihren Sitz in Hausen an der Verbindungsstraße vom Staffelsee zum Schloss Pähl. Um 1300 übergaben die Adeligen von Hausen ihren Adelssitz an die Edlen von Schondorf, Besitzer des mittleren Schlosses Pähl. Um 1350 ließ Rudolf von Schondorf neben der bereits bestehenden Dreifaltigkeitskapelle eine Marienkirche errichten. Um 1400 wird Hausen eine eigene Pfarrei.

1486 stellt Bischof Friedrich von Augsburg auf einer Visitationsreise fest, dass die Marienkirche einsturzgefährdet ist. Er bittet den Papst, die Kirche zur Wallfahrtskirche zu erheben, damit sie durch die zu erwartenden Spenden erneuert werden kann. Papst Innocenz VIII. entspricht dieser Bitte und erlässt am 8. Januar 1487 eine von ihm selbst und zwölf Kardinälen unterzeichnete Bulle.

Nach 1487 wird die Pfarr- und Wallfahrtskirche neu und größer erbaut, zum großen Teil in der Gestalt, wie sie noch heute steht. Die Bedeutung von Unterhausen nimmt immer mehr zu; die Wallfahrten werden immer zahlreicher. 1621 stiftet Johann Degler, einer der bedeutendsten Weilheimer Bildhauer, einen neuen Hochaltar mit einem Marienbildnis — eines seiner besten Werke.

„Ungewiß ist, wann der alte Hochaltar entfernt worden ist; doch ist gewiß, dass im Jahre 1621 der damals berühmte Bildhauer Johann Degler zu Weilheim den jetzt bestehenden Hochaltar als ein ausgezeichnetes Weihegeschenk für die Haus`ner Muttergottes aufgestellt hat.“

— Vindelicia Sacra, 1756

Die Rokoko-Umgestaltung 1772/73

1772/73 wird die Kirche renoviert, die Decke herabgerissen und durch eine Stuckdecke ersetzt. Dem Zug der Zeit folgend, muss der gotische Charakter der Kirche dem Rokoko weichen. Das Langhaus wird um 7½ Meter nach Westen verlängert. Johann Michael Merck führt die kunstvollen Stuckarbeiten aus, und Johann Baader, genannt „der Lechmühlenhansl“, schafft Deckengemälde mit Motiven aus dem Leben Mariens (Geburt, Heimsuchung, Krönung). Damit zählt die Kirche zu den erstrangigen des Pfaffenwinkels.

Im Oratorium oder Chörlein, einem kleinen Raum oberhalb der Sakristei mit Fenster im Kirchenraum, wird geistliche Musik aufgeführt. 1775 bringt Pfarrer Ignaz Manz von einer Romwallfahrt Reliquien mit nach Unterhausen, die in wertvollen Schreinen im Hochaltar aufbewahrt werden.

Außenbau und Innenraum

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche „zu unserer lieben Frau“ ist aus lauter Tuffquadern im Spitzbogen- oder gotischen Stil aufgebaut, mit Strebepfeilern um den Chor. Im Innern ist jedoch jede Spur des gotischen Stils verschwunden — nur die Fenster laufen noch etwas spitz zu. Durch zierliche Stuckaturarbeiten hat man der Kirche das Gepräge des Rokokostiles gegeben. Auf der Südseite des Kirchenschiffs steht der ca. 40 m hohe Glockenturm, der 1608 vom Augsburger Baumeister Elias Holl vollendet wurde.

Das ganze verlängerte Chor- und Schiffgewölbe ist mit sehr kunstvoll ausgeführten und reich vergoldeten Stuckaturen geziert, sowie mit drei großen und sechs kleineren Gemälden zur Verherrlichung Mariens von dem bekannten Maler Johann Baader aus Lechmühl im Jahre 1773 ausgemalt. Die drei großen Gemälde stellen dar: Im Chor Mariä Geburt, im Schiff Mariä Heimsuchung, über der Orgel Mariä Krönung.

Hochaltar und Seitenaltäre

Der von Johann Degler 1621 geschaffene Hochaltar gilt als eines der besten Werke des Künstlers. Die Halbfigur Gott Vater im oberen Aufbau und die flankierenden Heiligengestalten St. Katharina und St. Agatha sind wohl ebenfalls Arbeiten Deglers. Die Fassung dürfte von Elias Greither stammen.

Die Nebenaltäre sind um 1840 aufgestellt worden. Der Altar auf der Evangelienseite ist der hl. Mutter Anna gewidmet, der auf der Epistelseite dem hl. Sebastian. Erwähnenswert sind zwei gotische Holzfiguren: St. Leonhard an der Nordwand und St. Wolfgang an der Südwand des Langhauses (um 1520).

Renovierungen im 20. und 21. Jahrhundert

1971–1973 wird die Marienkirche umfassend renoviert. Das Mauerwerk wird nach unten abgedichtet, es kommen ein neuer Fußboden, neue Bestuhlung und elektrische Heizung hinzu. 1980 muss die Orgel zum größten Teil neu gebaut werden. 1987 werden 500 Jahre seit der Erhebung zur Wallfahrtskirche im Marienmonat Mai gebührend gefeiert.

1992/93 erfolgt die Restaurierung der Außenfassade. Bei Befunduntersuchungen finden sich Malereien, sogenannte „Fischblasenornamente“, und eine Sonnenuhr aus der Zeit um 1630. 2001–2004 wird das ehemalige Pfarrhaus zum Pfarrheim umgebaut. 2007 wird das renovierte „Knaierkreuz“ eingeweiht.

Würdigung

Die Wallfahrtskirche Mariae Heimsuchung in Unterhausen vereint in einzigartiger Weise spätgotische Bausubstanz mit der festlichen Pracht des bayerischen Rokoko. Die Kombination aus Deglers Hochaltar von 1621, Mercks Stuckdecke und Baaders Mariengemälden von 1773 zählt zu den bedeutenden Gesamtkunstwerken des Pfaffenwinkels — ein Wallfahrtsort, der bis heute Pilger und Kunstliebhaber gleichermaßen anzieht.