Pfarrkirche St. Michael in Marnbach
Wie eine kleine Burg liegt die alte Marnbacher Pfarrkirche als geschlossener Baukörper auf einem Hügel — mit ihrem romanischen Satteldachturm, der harmonisch über die Felder des Pfaffenwinkels wacht.
Geschichte der Pfarrei
Die dem heiligen Erzengel Michael geweihte Kirche in Marnbach ist bereits in einem alten Kalender des Klosters Benediktbeuern genannt, in den um das Jahr 1200 ein Verzeichnis der Pfarrkirchen im Dekanat Weilheim handschriftlich eingetragen worden war. Dieser Eintrag der Pfarrei „Marhpach“ zeigt, dass es sich hier um eine sehr alte Pfarrei handelt.
Der Ort Marnbach befindet sich auf uraltem Siedlungsgebiet, dies beweisen die bronzezeitlichen Hügelgräber im Süden von Marnbach. Im Mittelalter war in Marnbach eine edelfreie Familie ansässig, deren Angehörige sich als „Edle von Marnbach“ bezeichneten und in den Urkunden der umliegenden Klöster des Pfaffenwinkels in der Zeit von 1116 bis 1176 öfters als Zeugen genannt werden.
Die Pfarrkirche von Marnbach wurde um 1300 dem Kloster Bernried am Starnberger See inkorporiert. Die überlieferte Weihe von Kirche, Altar und Friedhof zu Marnbach, die der Augsburger Weihbischof Walter am 25. August 1324 vornahm, wird in Zusammenhang mit der Inkorporation zu sehen sein. Im Jahre 1479 tauschten die Klöster Polling und Bernried die beiden Pfarreien St. Michael in Marnbach und St. Michael in Seeshaupt, um die zum jeweiligen Kloster näher gelegene Pfarrei leichter versorgen zu können.
Bei der Neuorganisation der bayerischen Pfarreien 1806 wurden Marnbach und Deutenhausen der Land-Pfarrei Eberfing angegliedert. Es dauerte bis 1917, bis eine eigene Pfarrei Marnbach mit Deutenhausen gestiftet werden konnte. Am 10. Oktober 1917 genehmigte König Ludwig III. die Wiedererrichtung einer selbständigen Pfarrei Marnbach, wie sie bis heute besteht.
Baugeschichte
Der Turm der Kirche stammt offensichtlich noch aus spätromanischer Zeit. Am 26. März 1514 legte Propst Johannes Zinngießer von Polling den Grundstein zu einem neuen Chor. Den Neubau weihte der Augsburger Weihbischof am 31. Oktober des gleichen Jahres ein. Die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges brachten der Kirche in Marnbach große Schäden, insbesondere eine Plünderung im Jahre 1634.
Am 8. Mai 1673 wurde die als „totaliter ruinosa“ bezeichnete Kirche innerhalb einer Woche abgebrochen und am 20. Mai 1673 vom Pollinger Prälaten Claudius Planck der Grundstein zu einem Neubau gelegt. Der Turm blieb unverändert stehen. Die Einweihung des Neubaues erfolgte am 23. Oktober 1686 durch den Augsburger Weihbischof Eustach Egolf von Westernach.
1715 wurde eine neue Kanzel errichtet. 1754/55 wurden Turm und Dach erneuert, 1756 das Gewölbe der Kirche renoviert. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde die heute noch bestehende Ausstattung der Kirche völlig überarbeitet und erneuert. Eine gründliche Renovierung der ganzen Kirche wurde in den Jahren 1989/90 (Außen) und 1991/93 (Innen) durchgeführt.
Außenbau
Die alte Marnbacher Kirche liegt als geschlossener Baukörper wie eine kleine Burg auf einem Hügel. Der heutige Bau zeigt eine Saalkirche mit eingezogenem, dreiseitig schließendem Chor. Der nördlich angebaute Turm zeigt mit seinem Satteldach noch ein mittelalterliches Aussehen.
Die Kirche liegt eingebettet im alten Friedhof, den eine Mauer umschließt. Die Lage des Friedhofs gewährt eine herrliche Aussicht auf die Kette unserer bayerischen Alpen. Nördlich der Kirche befindet sich das Kriegerdenkmal von 1932.
Innenraum — Hochaltar mit dem Drachentöter
Der Hochaltar ist ein barockes Retabel aus marmoriertem Holz und Stuckmarmor, aufgesetzt auf die mittelalterliche Mensa. Der Altar wurde um 1799 frühklassizistisch verändert. Im Mittelpunkt steht die Figur des Drachentöters, des hl. Michael als Kirchenpatron unserer Pfarrei. Die ¾ — lebensgroße Figur steht zwischen zwei Säulenpaaren und zeigt einen originellen „Teufel“ mit dunkler Haut, Kuhschwanz, Spitzohren und Schwimmhäuten, den der Heilige Michael mit seiner Lanze durchbohrt.
Die Figur des Patrons wird flankiert von zwei weiteren, nämlich dem heiligen Apostel Bartholomäus und dem heiligen Augustinus. Letzterer ist als Patron der Augustiner-Chorherrenstifte Polling und Bernried als Nebenpatron fast zwangsläufig.
Seitenaltäre, Kanzel und Orgel
Die Seitenaltäre wurden 1800 von Lukas Troger geschaffen, ebenso die dazugehörigen Altarbilder. Auf dem linken Seitenaltar schuf Troger 1801 ein Altarbild, das die Eltern Marias — Joachim und Anna — gemeinsam mit Maria als Kind darstellt. Auf dem rechten Seitenaltar ist im zentralen Bild Maria Magdalena dargestellt. Die Kanzel stammt ebenfalls von 1800/1801 und ersetzte eine Vorgängerin von 1717.
Auf der 1884 errichteten Orgelempore steht die ebenfalls 1884 errichtete Orgel der Firma Max März & Sohn (Opus 175). Diese mechanische Kegelladenorgel ist im Original erhalten und stellt ein historisches Werk dar.
Erwähnenswert sind auch die 12 Apostelbilder — hochrechteckige Ölgemälde aus der Zeit um 1617 — die dem Maler Sigmund Wörlin aus Donauwörth zugeschrieben werden und wohl aus dem Säkularisationsgut eines der 1803 aufgelösten Klöster stammen.
Lourdesgrotte und Egerriederkapelle
Hinter dem Chor der Kirche befindet sich eine Lourdesgrotte, die im Jahre 1907 vom Peißenberger Steinmetzmeister Ludwig Franz erbaut wurde. Nördlich des Dorfes liegt die Egerriederkapelle, die 1717 von Caspar Steigenberger errichtet wurde. Sie besitzt im Inneren ein kleines Tonnengewölbe mit einem in kräftigen frischen Farben ausgeführten Deckengemälde, das den hl. Michael darstellt.
Würdigung
Die Kirche von Marnbach strahlt eine ernste, feierliche Atmosphäre aus. Das Kircheninnere zeigt im Wesentlichen eine Raumdekoration aus der Zeit des Überganges vom Spätbarock zum Frühklassizismus, die in einen, trotz der Erbauung im 17. Jahrhundert, fast gotisch anmutenden Raum integriert ist. Von außen, besonders von Süden gesehen, wirkt die Kirchenanlage wie eine hübsche kleine Burg.
