St. Johannes der Täufer in Deutenhausen
Die dem heiligen Johannes dem Täufer geweihte Kirche in Deutenhausen kann auf ein hohes Alter zurückblicken — ein kleines Gotteshaus, das unter den vielen schönen Kirchen unseres an Kunstwerken so reichen Pfaffenwinkels eine weit überragende Stellung einnimmt.
Geschichte der Pfarrei
Das Patrozinium des Hl. Johannes d. T. weist auf ein sehr altes Entstehungsdatum dieser Kirche hin, da im jungen Christentum meist die uralten Taufkirchen dem Patrozinium dieses Heiligen anvertraut worden sind. Diese Taufkirchen nahmen in der Pfarreienorganisation des Mittelalters stets eine herausragende Stellung ein.
Die Edlen von Deutenhausen, deren Familienmitglieder in den Urkunden der umliegenden Klöster in der Zeit von 1083 bis ca. 1220 häufig als Zeugen genannt wurden, hatten das Patronat über die Kirche zu eigen. Im Jahre 1199 übergaben Hartmann von Deutenhausen und sein Sohn Heinrich die Kirche Deutenhausen und alle ihr zustehenden Nutzungen an das nahe Kloster Polling, „…dessen Armut zu mindern…“. Diese Übergabe wurde von Bischof Udalschalk von Augsburg Anno 1201 endgültig vollzogen.
Mit einer Urkunde vom 7. Januar 1471 bestätigte der Augsburger Bischof Johannes dem Kloster Polling nochmals die Inkorporation der Pfarrei Deutenhausen. Ab 1479 wurde jeweils der gleiche Vikar — der auch in Marnbach die Pfarrei versorgte — für Deutenhausen beauftragt, da die täglichen Gottesdienste seither immer wechselweise in einer der beiden Pfarrkirchen gehalten wurden, wie es zum Teil heute hier noch üblich ist.
Besondere Bedeutung erhielt die Deutenhauser Kirche im 18. Jahrhundert, als sie Ziel vieler Wallfahrten wurde. 1751 gewährte Papst Benedikt XIV. einen besonderen Ablass an allen Marienfeiertagen, eine Votivtafel an der Nordwand der Kirche erinnert daran. Ziel der Wallfahrer war das Gnadenbild der Muttergottes mit dem Jesuskind, das auf dem prächtigen Hochaltar thront.
Baugeschichte
Über die Bauten der mittelalterlichen Kirche ist kaum etwas überliefert. Offenbar wurde kurz vor 1500 einiges an der Kirche umgebaut, denn die Fresken, die die ganze Kirche schmücken, aber in der Barockzeit übermalt wurden, stammen aus dieser Zeit. Im Altarraum ist die gemauerte gotische Gewölbekonstruktion noch erhalten und nur durch Farb- und Stuckornamentik barock verkleidet worden.
1709 wurde an Stelle der Flachdecke das Gewölbe des Langhauses als Korbbogentonnengewölbe erstellt und die Stuckornamente sowie das zentrale Deckenfresko geschaffen. Zur gleichen Zeit wurde am Turm gebaut, dessen oberer Teil samt Zwiebel aber erst 1788 in der heutigen Form neu gestaltet wurde. 1747 wurde die Kirche neu geweiht, in diesem Zusammenhang ist wohl der Hochaltar in seiner spätbarocken Form gestaltet worden.
Renovierungen wurden an der Kirche auch 1838, 1861, 1877 sowie 1938 und zuletzt 1989–1992 durchgeführt. 2004 entstand die neue Orgel im historischen Gehäuse. 2010 erfolgte eine vollständige Erneuerung der Außenfassade.
Außenbau
Der heutige Bau zeigt eine Saalkirche mit eingezogenem, dreiseitig schließendem Chor. Der nördlich angebaute Turm mit oktogonalem, durch Pilaster und geschwungene Gesimse gegliedertem Obergeschoss zeigt das für Oberbayern so typische Bild eines Zwiebelturmes. Diese „Zwiebel“ war bis 1855 mit Holzschindeln gedeckt, seither ist sie mit Blech überzogen.
Die farbig gegliederte Fassade des Baues ist eingebettet in den alten Friedhof, der durch eine alte, ebenfalls bei der letzten Renovierung gründlich erneuerte Mauer mit Tuffplattenabdeckung umschlossen ist. Die Kirche ist, wie bei alten Kirchen üblich, „geostet“, d.h. der Chor ist im Osten, der Eingang im Westen.
Innenraum — die Leinberger-Madonna
Das künstlerische Zentrum der Kirche bildet die Figur der Madonna mit Kind, die auf dem Hochaltar eine zentrale Stellung einnimmt. Die Figur stammt aus der Zeit von 1525 und wird als Werk Hans Leinbergers oder seiner Werkstatt bewundert. Volker Liedke bezeichnet die Figur nach ausführlichen Untersuchungen als Original von Leinbergers Hand und als Replik der Landshuter Rosenkranzmadonna in verkleinertem Format.
Die Marienfigur wurde in den barocken Hochaltar aus der Zeit vor 1747 integriert und wird von zwei sehr guten Plastiken der beiden Johannes flankiert. Diese Figuren werden ebenso wie der ganze Altaraufbau dem Weilheimer Bildhauer Franz Xaver Schmädl sicher zugeschrieben. Der phantasievolle Aufbau mit der nach vorne geöffneten goldenen Kuppelkrone ist ein würdiger Thron für die kostbare Leinbergermadonna.
Seitenaltäre, Kanzel und Orgel
Die Seitenaltäre wurden als frühklassizistische Retabeln des Jahres 1800 von Lukas Troger geschaffen. Die im selben Jahr entstandenen Altarblätter wurden von Sebastian Jaud gemalt. Die Kanzel entstand im Jahr 1802. Das Orgelgehäuse stammt wohl von einer 1770 errichteten Pollinger Chororgel des Eberfinger Orgelbauers Jakob Lindner. 2004 wurde durch den Orgelbaumeister Stefan Heiß aus Weißenhorn in das renovierte historische Gehäuse eine völlig neue Orgel eingebaut.
Das „Vorzeichen“ der Kirche schmückt eine Figur des „Christus mit der Schulterwunde“ aus der Mitte des 18. Jahrhunderts sowie ein „Heiland in der Rast“ aus der Zeit um 1510. Letzteres, ein hervorragendes spätgotisches Schnitzwerk, erinnert sehr an die gleichnamige Figur in der Weilheimer Stadtpfarrkirche „Mariae Himmelfahrt“.
Würdigung
„…uralter Tempel…“
— Inschrift in einer Stuckkartusche am Chorjoch
Die Kirche von Deutenhausen kann als kleines Gotteshaus bezeichnet werden, das unter den vielen schönen Kirchen unseres an Kunstwerken so reichen Pfaffenwinkels eine den Durchschnitt weit überragende Stellung einnimmt. Die kleine Kirche ist reich an wertvollen Kunstwerken, und auch als Gesamtkunstwerk hinterlässt sie einen schönen und festlichen Raumeindruck, der eine wahrhaftige sakrale Würde ausstrahlt, ohne überladen zu wirken. Eine Kirche, die dem Betrachter den „bayerischen Himmel“ näher bringt.
